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Auslandseinsatz Toronto 2009 - Blogs (Pierre Wisnia)

Kanada in 42 Tagen

 

Hallo, alle zusammen, und herzlich Willkommen auf dem Blog zu meinem Auslandseinsatz (kurz: AE). Wie schon viele andere vor mir will auch ich versuchen, mit diesem Online-Tagebuch ein paar Eindrücke von dem – auf 6 kurze Wochen begrenzten – Leben in Mississauga, Toronto und Umgebung zu vermitteln und anderen die Chance zu geben, schon vor Beginn ihres eigenen Auslandseinsatzes ein paar Informationen dazu einzuholen. Ich möchte aber vorwarnen, dass ich viel schreibe, und dass die folgenden Texte sehr ausgedehnt sein können.

 

Natürlich bin ich nicht der Einzige, denn auch Anna-Lina, und eventuell sogar Andreas und Christian wollen ihre ganz persönlichen Impressionen in ihren jeweiligen Blogs preisgeben. Zumindest Anna ist schon sehr fleißig auf einem externen Blog dabei, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Ob Andreas und Christian diesem Beispiel irgendwann folgen werden, wird die Zeit zeigen. Da dann hoffentlich alle vier beteiligten AE-ler Blogs schreiben, dürfte im Laufe der Zeit ein recht rundes Gesamtbild entstehen.

Nun, dann fangen wir mal an.



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30.05.2009 - Samstag:

Über den Wolken (Reinhard Mey)

Ich bin in meinem Leben bislang nicht in den Genuss des Fliegens gekommen. Entsprechend groß war also die Erwartung an das Gesamterlebnis „Flug und Flughafen“. Mein Flugplan sah vor, dass ich um 10:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Berlin Tegel starte, etwa eine Stunde später in Frankfurt lande und um 13:45 Uhr den langen Flug nach Toronto antrete. Um das zu erreichen, habe ich die heimischen Gefilde um 6:00 Uhr verlassen und bin mit einem Bekannten zum Flughafen Tegel in unserer schönen Hauptstadt gefahren. Etwa 8:00 Uhr sind wir dann auch dort angekommen und haben uns nach einer kurzen Suche des richtigen Gates direkt ans Einchecken gemacht. An dieser Stelle möchte ich Pussy, so der Name des Helfers, und seiner „Chefin“ (sprich: Ehefrau) noch einmal herzlichst für alles danken. Nach dem Einchecken, welches schon eine Stunde vor dem offiziellen Termin begann, hieß es dann auch Abschied nehmen...

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31.05.2009 - Sonntag:

Our House (Madness)

Es war Sonntag, 16:00 Uhr, als mein Wecker klingelte. Nun, es war 16:00 Uhr in Deutschland, bei uns war es erst 10:00 Uhr. Das erste Frischmachen funktionierte soweit ganz gut, hinterließ aber einen chlorigen Geschmack im Mund. Grund dafür war das Trinkwasser in Kanada, das in der Tat deutliche Spuren von Chlor enthält. Da weiß man wirklich zu schätzen, was man daheim doch für „reines“ Wasser hat. Ich war darauf bedacht, die anderen in ihren Träumen nicht zu stören, so dass ich aus meinem Kellerloch – ich habe mir am Vortag das Schlafzimmer ausgesucht, das direkt neben der Wohnstube im Keller liegt – nicht herausging und stattdessen mit dem grundlegenden Reinemachen der Wohnstube begann. Fegen, Staubwischen, Müll in die dafür vorgesehene Tonne werfen, alles Dinge, die die Vorgängertruppe offenbar nicht mehr für nötig hielt. Irgendwann kamen Christian, dann später Anna und auch Andreas herunter.

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01.06.2009 - Montag:

Manic Monday (Bangles)

Der Wecker mag nervig sein, aber er erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck. Punkt 6:00 Uhr mahnte das Gerät an, sich aus den Federn zu erheben und auf den Tag vorzubereiten, damit man den Bus um 7:38 Uhr auch bekommt und nicht direkt am ersten Tag durch Verspätung negativ auffällt. Auffällig war und ist hingegen etwas anderes, und das meiner Meinung nach sehr positiv: Während die zeitlichen Rahmenbedingungen nicht immer eingehalten werden, sind Kanadier sehr diszipliniert. Welcher Deutsche kennt bei öffentlichen Verkehrsmitteln nicht diese menschlichen Weintrauben, die sich rund um die Eingänge bilden? Sowas scheint es in Kanada, wenn überhaupt, nur vereinzelt zu geben. Bei unseren Bussen jedenfalls werden brav Schlagen gebildet, die gerne auch mal so lang werden können, dass sie zum Beispiel im Busterminal-Gebäude verschwinden. Sollte dann ein Passant des Weges kommen und hindurch wollen, ist das auch kein Problem.

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02.06.2009 - Dienstag:

Have a nice day (Bon Jovi)

Nun beginnt die Zeit, in der ich voraussichtlich weniger täglich schreibe, denn so viel wird sich am Tagesablauf nicht mehr ändern. Auf Arbeit begann der Tag wie bei jedem fest angestellten Mitarbeiter: mit einem Kaffee. Natürlich ist es ein Vanilla Moka. Die eigentliche Arbeit starteten wir aber damit, alle wichtigen Programme zu installieren, was speziell im Falle von Lotus Notes ein wenig dauerte. Nebenbei wurde uns berichtet, wie „begeistert“ man von unseren Vorgängern war. Offenbar müssen wir den Ruf hier wieder etwas aufbessern. Nachdem Lotus fertig installiert, konfiguriert und getestet war, kamen die Programme zum Einsatz, die zur Problemlösung unersetzlich sein werden: GoverLAN und DameWare. Beides sind Tools, mit denen man sich auf den Arbeitsplatz des Anwenders einloggen kann und die Arbeit auf diesem Rechner ausführen kann.

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03.06.2009 - Mittwoch:

Ordinary Life (Liquido)

Vielleicht ist es dem einen oder anderen bereits aufgefallen: Ich schreibe nicht über das gemeinsame Frühstück. Der Grund dafür ist recht einfach, denn ich selbst frühstücke nicht. Speziell heute war es mir gar nicht erst möglich, da ich am Vortag versäumt habe, den Wecker wieder auf Alarm zu stellen, nachdem ich ihn am Morgen von seiner Pflicht entbunden habe. Das bedeutete schlichtweg, dass ich um 7:00 Uhr durch laute Geräusche vor der Tür wach wurde. Scheinbar haben sich meine Kameraden gesorgt, dass ich nicht wach würde, und polterten absichtlich etwas lauter. Zu Recht. So stürmte ich also um kurz nach sieben aus der Tür, ins Bad, erledigte das nötigste und machte mich und meine Laptop-Tasche aufbruchsbereit.

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04.06.2009 - Donnerstag:

Müssen nur wollen (Wir sind Helden)

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an alles gewöhnt. Der Tagesablauf ist inzwischen (beinahe) so sehr ins Blut übergegangen, dass man meinen könnte, wir machten dies schon länger.

Aufstehen, Morgentoilette, Bus zum Square One, Umsteigen, Bus zu Schenker. Helpdeskanforderungen bearbeiten bis 12:30 Uhr, eine Stunde Mittagspause, Arbeiten bis 17:00 Uhr. Bus zum Square One, Umsteigen, Bus nach Hause, Chat/Telefonieren mit der Heimat, Abendessen, Bereitmachen zum Schlafengehen und letztendlich dann auch schlafen gehen.

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05.06.2009 - Freitag:

Talk (Coldplay)

Heute gab es mal eine kleine Abwechslung vom „üblichen“ Tickets annehmen und Anrufe entgegennehmen. Darryl lud Christian und mich zu einem kleinen Meeting ein, in dem er und Charles, der Administrator für den hiesigen E-Mail-Server (Lotus Domino), uns eine neue Tages- und vermutlich sogar Wochenaufgabe gegeben haben. So müssen alle Nutzer des Unternehmens ihre E-Mail-Passwörter aus Sicherheitsgründen ändern, und wir sind angehalten, sie anzurufen und ihnen den Weg zu weisen. Gesagt, getan. Wir haben uns die vorläufige Liste angesehen sowie uns selbst erst einmal mit dem Weg vertraut gemacht, immerhin kennen wir Lotus Notes selbst erst seit Dienstag. Die Liste umfasste 155 Personen.

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